Michael Koltan (Freiburg): Über die Konstruktion von „Wahrheit“

8. Juli 2020, 19 Uhr, basis e.v., Gutleutstraße 8-12, 60329 Frankfurt

Über die Konstruktion von „Wahrheit“ im politischen Raum

Michael Koltan (Freiburg)

In der aktuellen politischen Diskussion um „fake news“ werden leider allzu oft Fakten mit der Wahrheit verwechselt. Aber Wahrheit, zumindest im Bereich der politischen Debatte, geht weit über Faktisches hinaus. Das liegt in der Sache: Diese Debatte wird nicht um ihrer selbst geführt, sondern zielt auf gesellschaftliches Handeln. Und diese Handeln will etwas. Es richtet sich auf Zukünftiges, also etwas, das noch nicht Faktum ist, sondern erst noch werden soll. Dieser Zukunftshorizont verändert die Bewertung von Fakten innerhalb der politischen Auseinandersetzung. Erst im Gesamtkontext einer Ideologie wird es möglich, dass einerseits weltgeschichtliche Ereignisse als bedeutungslos abgetan werden („Fliegenschiss“), andererseits eine Lappalie zum Symbol gemacht wird werden („Omagate“). Der Vortrag wird den Versuch unternehmen, einige der Mechanismen aufzudecken, die der Konstruktion politischer Wahrheiten zu Grunde liegen. Und die Frage aufwerfen, ob es trotz aller Konstruiertheit politischer Wahrheiten nicht doch möglich sein könnte, sich auf eine gemeinsame Wahrheit zu einigen.